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Subjektives Bild
Normalerweise vermittelt jede Gesichtsempfindung
außer den Informationen über Farbe
und Helligkeit auch eine Information über
den Ort des gesehenen Gegenstandes (»Sehding«)
in einem subjektiven Sehraum. Dieser subjektive
Sehraum entwickelt sich aus der Erfahrung. Trägt
man z.B. für eine längere Zeit eine
Prismenbrille, bei der die Welt auf dem Kopf steht,
normalisiert sich das Sehen schon nach einigen
Tagen. Das Gehirn verrechnet also die neuen Umstände
und paßt sie der Regel an. Diese zentralnervöse
Korrektur ist nur möglich, wenn alle Sehdinge
in gleicher Weise verzerrt sind.
Schon Helmholtz betonte, dass der
Mensch zwar nur »Zeichen« seiner Umwelt
wahrnehme, aber die Sinneswahrnehmung des Menschen
erlaube nur die zeichenhafte Wahrnehmung von etwas.
Diese Zeichenwahrnehmung unterliege allerdings
strengen Gesetzen (siehe hierzu auch:  Hermann
von Helmholtz). Im Wahn eines Psychotikers
oder im Drogenrausch funktionieren die Gesetze
der Wahrnehmung nicht länger, die Umgebung
ist subjektiv ungleichmäßig verzerrt.
Das Resultat kann hierbei z.B. das monströs
verzerrte Gesicht des eigenen Spiegelbildes sein.
Ein subjektiver Bildeindruck ist also nicht nur
eine Funktion des Netzhautbildes, sondern immer
das Ergebnis einer zentralen Verarbeitung der
Reize. Weiterhin vergrößern sich Gegenstände
für den Betrachter bei einer Annäherung
nicht, hier gilt ebenfalls die zentral korrigierte
Konstanz der subjektiven Bildgröße.
Durch Lähmung der Muskeln für
die Nahanpassung (Akkomodation) kann man diesen
Korrekturmechanismus allerdings auflösen.
Man geht davon aus, dass diese Augenmuskeln Impulse
an das Zentralnervensystem senden, um das Bild
dem Näherungszustand des Objektes anzupassen.
Dasselbe gilt für die Augenbewegungen: Bereits
die Intention zur Augenmuskelbewegung bei Patienten
mit Augenmuskellähmungen und das damit verbundene
Signal an das Gehirn erzeugt bei diesen Patienten
Doppelbilder. Auch das zweiäugige Sehen erfordert
vom Zentralnervensystem eine Integrationsleistung:
Die Verschmelzung einzelner korrespondierender
Netzhautbilder gelingt nur, wenn sie auf einer
Fläche, dem sog. »Horopter« liegen.
Der »Horopter« ist also
der geometrische Ort aller Schnittpunkte der Richtungsstrahlen,
die von zwei korrespondierenden Netzhautpunkten
in beiden Augen ausgehen. Durch Lähmung der
Augenmuskeln wird eine Fixation unmöglich,
die Punkte der Umgebung werden also nicht länger
auf korrespondierende Netzhautfelder abgebildet,
die Patienten sehen Doppelbilder. Alle Punkte
der Außenwelt erscheinen dem Betrachter
subjektiv so, als sähe er mit einem Auge,
dass sich in der Mitte beider Augen befindet.
Dieses Phänomen bezeichnet man als »Zyklopenauge«.
Es entsteht durch Verrechnungen im menschlichen
Gehirn (im hinteren Pol des Gehirnes). Außerhalb
des Fixationspunktes unserer Augen entstehen allerdings
tatsächlich permanent leichte Doppelbilder,
die allerdings nicht bewusst wahrgenommen werden
und vom Gehirn ausgelöscht werden. Auch wenn
beide Augen auf einen Gegenstand fixiert sind,
sind die auf beiden Netzhäuten erzeugten
Bilder nicht völlig identisch. In diesem
Fall verarbeitet das Zentralnervensystem die Bilder
ebenfalls zu einer einzigen räumlichen Wahrnehmung.
Der ständige Wechsel der Fixationspunkte
(durch Bewegung) erleichtert uns die Tiefenwahrnehmung.
Schon Hermann von Helmholtz bemerkte, dass die
Raumwahrnehmung beträchtlich erleichtert
werde, wenn z.B. die Hand einen Gegenstand abtaste.
Liege die Hand dem Gegenstand flach auf, sei die
Erkennung des Gegenstandes erschwert.  
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| Daniel Ketteler |
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