| Die Sehstrahlung um 1900
Die weiter oben beschriebenen Details
über den anatomischen Verlauf der Sehbahn
können fast ausnahmslos schon für das
Ende des 19. Jh. vorausgesetzt werden.
Auch die Kreuzung der Fasern im Chiasma
opticum wurde korrekt beschrieben. Bernhard von
Gudden (1824-1886) zeigte den genauen Verlauf
des nervus opticus (Sehnerv) und der Sehbahn,
welche teils gekreuzt, teils ungekreuzt durch
das chiasma opticum verläuft. Der Wiener
Professor Theodor H. Meynert (1833-1898), bei
dem auch Sigmund Freud und Arthur Schnitzer studierten,
beschrieb 1868 ziemlich exakt die Anordnung der
Sehstrahlung. Er beschrieb als erster den lateralen
Kniehöcker (Umschaltstation der Sehbahn).
Auch das Sehzentrum am hinteren Pol
des Gehirns wurde richtig lokalisiert. Sogar die
zentrale Repräsentation der Stelle des schärfsten
Sehens wurde von Hermann Munk (1839-1912) theoretisiert.
Anhand von klinischen Gesichtsfeldausfällen
wie z.B. der Hemianopsie (halbseitige Blindheit)
untermauerte man die anatomischen Erkenntnisse.
Eine enge Verzahnung von Klinik und Labor ermöglichte
so eine Präzisierung physiologischen Grundlagenwissens.
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| Daniel Ketteler |
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