| Die Sehstrahlung (radatio
optica):
Der von den Stäbchen bzw. Zapfen
erzeugte elektrische Impuls wird nun mit Hilfe
des Aktionspotentials zum zweiten und dritten
Neuron in der Netzhaut fortgeleitet. Diese zwei
in der Netzhaut befindlichen Neuronen sind untereinander
stark vernetzt. Hierdurch wird die wesentliche
Funktion des Kontrastsehens ermöglicht. Jeweils
dem Lichtreiz benachbarte Nervenzellen können
gehemmt werden, dem Licht ausgesetzte Lichtzellen
erhalten eine verstärkte Aktivierung, Kontraste
werden so verstärkt. Erst durch diesen Mechanismus
ist ein Vorgang wie das Lesen von kleineren Buchstaben
optimal möglich. Dieser Mechanismus erklärt
auch die schärfere Abgrenzung und Kontrastierung
von punktförmig auf die Netzhaut eintreffenden
Lichtreizen im Gegensatz zu größeren
Flächenkontrasten, da punktförmige Areale
über relativ mehr Grenzfläche verfügen.
Nur an den Grenzflächen ist eine optimale
Kontrastverstärkung durch hemmende und aktivierende
Neurone möglich. Von der Netzhaut führen
nun die Nervenbahnen (Axone) weit in das Gehirn
hinein (diese Bahn nennt man den tractus opticus).
Der größte Teil dieser
Bahnen zieht zu einem Hirnkern namens »lateralen
Kniehöcker« (Corpus geniculatum laterale).
Bereits in diesem relativ kleinen Kern ist die
Fläche der Netzhaut analog zum Sehzentrum
am hinteren Pol des Gehirns in ihrer gesamten
Ausdehnung projiziert. Im »lateralen Kniehöcker«
sind die Nervenzellen topographisch so geordnet,
dass sie der Netzhautfläche entsprechen.
Die Stelle des schärfsten Sehens nimmt hierbei
den größten Raum ein. Benachbart zu
diesem Kern für den Sehsinn liegt übrigens
eine analoge Struktur für den Gehörsinn,
was die enge Verwandtschaft der Sinneszentren
untereinander und die Analogie der neurophysiologischen
Reizverarbeitung über Aktionspotentiale und
Nervenbahnen zeigt.
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| Daniel Ketteler |
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