| Die Transzendentale Reduktion
Transzendentale Reduktion nennt man
das Zurückführen von Gegenständen
und Erfahrungen auf intentionale Akte, in denen
diese konstituiert werden. Solche Bedingungen
der Erfahrung, die dieser vorausgehen und deren
Charakter prägen, nennt man »transzendental«,
deren Subjekt ist das »transzendentale/reine«
Ich.
Die Transzendentale Reduktion ist
nichts anderes als die radikale Universalisierung
von
Epoché und eidetischer
Reduktion. Husserl gibt seine Zurückhaltung
bezüglich einer Aussage über die Existenz
der Welt auf: Nun wird das Sein der Dinge als
Bewusst-Sein erklärt. Husserls phänomenologische
Methode wird somit transzendental (im Sinne Kants)
und stellt sich als eine Variante des neuzeitlichen
Idealismus´ dar.
Mit Hilfe der eidetischen Reduktion
kommt Husserl zu folgendem Ergebnis: Es ist ein
Wesensgesetz des ›Dings‹ und der Welt,
dass sie nicht unwiderlegbar sind; sie schließen
die Möglichkeit nicht aus, an ihrer Existenz
zu zweifeln. Der Erlebnisstrom selbst dagegen
ist in einer »immanenten Wahrnehmung«
gegeben, folglich absolut. Demnach ist der Gegenstand
kontingent, das Sein des Bewusstseins, das »transzendentale/reine
Ich« als das, was bei der Reduktion übrig
bleibt, aber nicht: Das reine Ich ist sich mit
unwiderlegbarer Gewissheit selbst evident, denn
an dem Erlebnisstrom, der es konstituiert, kann
nicht gezweifelt werden, weder an seinem Wesen
noch an seiner Existenz.
Das reine Ich ist deshalb seinsunabhängig,
absolut. Die »Außenwelt« hingegen
ist durchaus auf Bewusstsein angewiesen. Husserl
reines Ich ist, ergo, von transzendentaler Radikalität:
Es begründet jede Transzendenz.
Indem also Husserl in der Reduktion
noch einen Schritt weitergeht und über das
originäre Gegebensein der Dinge selbst nachdenkt,
entdeckt er jenseits der Haltung, durch die wir
bei den Dingen sind, ein Bewusstsein, dessen Wesen
sich zu allem heterogen verhält, von dem
es Bewusstsein ist, und durch das der Sinn des
Transzendenten selbst gestiftet wird: das transzendentale
Ich. Das empirische Ich, das ganz normal in der
Welt lebt, wird folglich während der transzendentalen
Reduktion verdoppelt in einem phänomenologischen
Ich, das als interesseloser Beobachter auftritt.
Die transzendentale Reflexion untersucht wiederum
dieses Ich des interesselosen Beobachters. Das
transzendentale Ich ist daher zugleich das konkrete
Ich und ist es nicht, weil es vom In-der-Welt-Sein
befreit ist, also ein transzendentales cogito
ist, das die Welt als ganze, einschließlich
des psychologischen Ichs, umfasst. Das Ich bleibt
mit der Welt verknüpft, und der konkrete
Gehalt dieses subjektiven Lebens ist der Strom
der Abschattungen und Horizonte, durch die sich
das Ding zeigt (
Gegenstands-konstitution
nach Husserl): Es verschwindet nicht
durch den Übergang zur transzendentalen Ebene.
Die Position der Welt ist nicht aufgehoben, sie
bleibt lebendig, wenn auch das Bewusstsein sich
seiner selbst nun voll bewusst ist: als transzendentales.

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| Christine
Emig |
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