| Die Intentionalität des Bewusstseins
Alles Weltliche, alles raum-zeitliche
Sein ist für mich dadurch, daß ich
es erfahre, wahrnehme, mich seiner erinnere, daran
irgendwie denke, es beurteile, es werte, begehre
usw. Das alles bezeichnet Descartes bekanntlich
unter dem Titel cogito. Die Welt ist für
mich überhaupt gar nichts anderes als die
in solchen cogitationes bewußt seiende und
mir geltende. Ihren ganzen Sinn und ihre
Seinsgeltung hat sie ausschließlich aus
solchen cogitationes. In ihnen verläuft
mein ganzes Weltleben. Ich kann in keine andere
Welt hineinleben, hineinerfahren, hineindenken,
hineinwerten und -handeln, die nicht in mir und
aus mir selbst Sinn und Geltung hat. 
Das Konzept von der Intentionalität
des Bewusstseins gehört zu den wichtigsten
Elementen der Husserlschen Phänomenologie.
Es besagt: Bewusstsein nimmt Außenwelt nicht,
wie Nahrung, in sich auf (so vorgängige Theorien),
sondern es ist auf sie »gerichtet«,
es existiert nur als Bezug auf die Welt. Der intentionale
Akt (die »Noese«, das »cogito«)
bezieht sich auf ein intentionales Objekt (das
»Noema«, das »cogitatum«),
indem es ihm einen Sinn verleiht: Ich »vermeine«
etwas als etwas. Insofern ist Bedeutung nicht
einem äußeren Gegenstand abzulesen,
der Vektor geht vielmehr von der anderen Seite,
der des Wahrnehmenden aus: Bedeutung liegt in
der Leistung unseres Bewusstseins selbst, nicht
im wahrgenommenen Objekt. Für den Denkakt
ändert sich dabei strukturell nichts, ob
der vorgestellte Gegenstand tatsächlich existiert
oder nicht, der Gott Jupiter z.B. (s. dazu auch
Gegenstandskonstitution
nach Husserl).
Die Korrelationsanalyse von Noese
und Noema ergibt: Das intentionale Bewusstsein
durchbricht die cartesianische Subjekt-Objekt-Spaltung.
Phänomenal zeigt sich das »Draußen«
als Erscheinen-von-etwas in der Innerlichkeit
des Bewusstseins, eines Bewusstseins, das einen
funktional-zielgerichteten und bedeutungsgebenden
Charakter hat. Dessen intentionale Struktur impliziert:
Es gibt keine isolierbaren Bewusstseinsakte (Noesen)
und daneben Strukturen der Gegenstände (Noemata)
an sich, sondern nur Bewusstseinsakte, in denen
Gegenstände erscheinen, also noetisch-noematische
Strukturen. Das intentionale Bewusstsein trägt
den Gegenstandsbezug in sich selbst.
Um Missverständnisse zu vermeiden:
»Intentionalität« bezeichnet
nicht die Beziehung Bewusstseinsakt – ›realer‹
Gegenstand, sondern die Beziehung Bewusstseinsakt
– intentionaler Gegenstand, also das bewusstseinsimmanent
konstituierte ›Ding‹. Die intentionalen
Gegenstände gehören zu demselben Erlebnisstrom
wie die intentionalen Akte. Eine Redeweise von
einem Gegenstand ohne Bezug auf die entsprechende
Bewusstseinsweise ist vom phänomenologischen
Standpunkt aus unmöglich!
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| Christine
Emig |
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