Vgl.:

Helmholtz´ Wertschätzung der Erfahrung als notwendigem Mechanismus der Wahrnehmung hat seine erkenntnistheoretische Voraussetzung im Gegensatz von nativistischem und empiristischem Ansatz. Helmholtz zählt sich selbst zu den Empiristen. Vereinfacht ausgedrückt vertreten diese die Auffassung, daß Raumwahrnehmung und das Erkennen von Gegenständen durch zunehmende Erfahrung des Subjekts erst entsteht. Die Nativistische Theorie, die Helmholtz zu widerlegen versucht, behauptet hingegen, daß eine fertige Vorstellung der Gegenstände dem Menschen schon von Geburt an gegeben ist, daß eine unmittelbare Anschauung der Dinge demnach möglich ist. Für Helmholtz ist die Erfahrung der primäre, wenn nicht gar der einzige Weg auf dem Raumanschauung und Erkenntnis gewonnen werden kann:

Die Uebereinstimmung zwischen den Gesichtswahr-nehmungen und der Aussenwelt beruht ganz oder wenigstens der Hauptsache nach auf dem selben Grunde, auf dem alle Kenntnis der wirklichen Welt beruht, nämlich auf der Erfahrung und der fortdauernden Prüfung ihrer Richtigkeit mittels des Experiments, wie wir es bei jeder Bewegung unseres Körpers vollziehen.

Helmholz, Hermann von
Die neueren Forstschritte in der Theorie des Sehens.
In: Ders.: Vorträge und Reden. Vierte Auflage. Bd. 1. Braunschweig 1896.

hier: S. 365.