An einem Beispiel versucht er deutlich zu machen, daß der Sinneseindruck und das Netzhautbild nicht mit den beschränkten Mitteln, die dem Maler zur Verfügung stehen, in voller Intensität wiedergegeben werden können: Ein Künstler, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, das Bild eines weißgekleideten Beduinen im grellen Sonnenlicht zu malen, sei auf dieselben Weißfarbtöne angewiesen, die ihm auch zur Herstellung eines nächtlichen Himmels mit Mondaufgang zur Verfügung stünden. Weder das reflektierende Weiß des Wüstenbildes noch die relative Dunkelheit des Mondscheins seien angemessen reproduzierbar.

Was er [der Maler] zu geben hat, ist hiernach nicht mehr eine reine Abschrift des Objects, sondern eine Uebersetzung seines Eindrucks in eine andere Empfindungsscala.

Helmholtz, Hermann von
Optisches über die Malerei.
In: Ders.: Vorträge und Reden. Vierte Auflage. Bd. 2. Braunschweig 1896.

hier: S. 111.