| Erfahrung eines Widerstandsimpulses
in einer Bewegung nach Dilthey
Der Mensch ist ursprünglich
ein Bündel von Trieben, die nach allen Richtungen,
gesteuert von den Gefühlen der Unlust und
des Bedürfnisses, die verschiedensten Willensbestrebungen
ausstrahlen. Darin entspringen nun auch die Impulse
zu Bewegungen und deren Kraft, fortzudauern und
sich zu verstärken, die oft von einem leichten
Lustgefühl begleitet werden. Nun kann es
aber geschehen, dass die Bewegungsempfindung plötzlich
gehemmt wird: Ein Widerstand verzögert oder
stoppt die Bewegung. Das Bewusstsein von dieser
Hemmung der Intention in der Widerstandserfahrung
entsteht allerdings nicht unmittelbar bei Auftreten
der Druckempfindung. Der Bewegungsimpuls dauert
vielmehr fort, ja er verstärkt sich, da anstatt
der intendierten äußeren Bewegung Druckempfindungen
auftreten. Erst dann kommen wir, mit Hilfe eines
Denkvorgangs, der die ursprüngliche Intention
mit der jetzigen Druckempfindung vergleicht, zu
einem Bewusstsein der Hemmung, der als vom Selbst
unabhängige Kraft erfahren wird.
Weitere Versuche bestätigen
den Widerstand stets aufs Neue; dieser, durch
Wiederholung erlangte Erfahrungszuwachs verstärkt
das Bewusstsein von der Realität der Außenwelt.
Wirklichkeit wird damit durch haptisch-sensorische
wie kognitive Versicherungen garantiert. So muss
festgestellt werden: Man kann keine unmittelbare
Willenserfahrung des Widerstandes annehmen oder
überhaupt irgend ein unmittelbares Gegebensein.
Wir gelangen zum Bewusstsein der Außenwelt
nur durch vermittelnde Empfindungs- und Denkprozesse.
Allerdings hat diese zusammengesetzte Widerstandserfahrung
im Bewusstsein des Wahrnehmenden durchaus den
Charakter von Unmittelbarkeit.  
Aus der Tatsache, dass ein (Bewegungs-)Impuls
fortdauert, während schon die Hemmung dieses
Impulses eintritt (ich will meine Hand immer noch
in die selbe Richtung bewegen, wenn ich die Druckempfindung
spüre), folgert Dilthey zudem, daß
Impuls und Hemmung nicht von demselben Willen
ausgehen können, denn dies wäre widersprüchlich.
Also muss zweierlei existieren: der (Bewegungs-)Impuls
und dessen Hemmung durch ein anderes, von mir
Unabhängiges.  Selbst
und anderes werden dabei in einer lebendigen Erfahrung
des Willens gegeben! Mit dieser Wendung entgeht
Dilthey der solipsistischen Argumentation, dass
die Empfindungen und Denkvorgänge, die uns
die Erfahrung von Impuls und Widerstand garantieren,
nur subjektive Bilder seien, ein vom Bewusstsein
Unabhängiges gar nicht existiere.
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| Christine
Emig |
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